Evangelisches Dekanat Odenwald

Senioren unterwegs im Nachbarschaftsraum

Immer wieder eine andere Kirche

Vielbrunn. "Wir wollen alle Kirchen kennenlernen", sagt Regina Stellwag. Die Vorsitzende der Steuerungsgruppe im Nachbarschaftsraum Erbach-Michelstadt und Erbacher Kirchenvorstandsvorsitzende beschreibt damit das Ziel der Seniorenausflüge in die Nachbarschaft. Die führen zwei- bis dreimal jährlich jeweils in ein anderes Gotteshaus des Nachbarschaftsraums, der zum Anfang kommenden Jahres eine Gesamtkirchengemeinde bilden wird. Bisherige Ziele bildeten die Kirchen in Bullau, Würzberg, Weiten-Gesäß und Erbach. Nun war Vielbrunn an der Reihe.
Die dortige evangelische Laurentiuskirche stellte Küsterin Sabrina Weber den rund 70 Gästen vor: Dass Vielbrunn einst Wehrkirche gewesen ist, kann man an den Außenmauern und der gesamten Außenanlage noch erkennen. Zusammen mit dem Turm stellen sie die ältesten Teile des Gotteshauses dar. Seit 1381 ist Vielbrunn eine eigenständige Kirchengemeinde, seit 1551 gehört das heute kommunal zu Bad König rechnende Kimbach dazu. 1571 wurde die Gemeinde evangelisch. Sabrina Weber berichtete von einer starken Dezimierung der Bevölkerung im 30-jährigen Krieg. Als die Gemeindegliederzahl in der Folgezeit wieder erheblich anwuchs, wurde die seitherige Kirche zu klein, man riss das Langhaus ab und baute es auf der entgegengesetzten Seite neu (heutiger Zustand). Bedeutende Fresken im Turm wurden in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts entdeckt und freigelegt.
"Früher gab es eine verbindliche Sitzordnung, Männer hatten hier zu sitzen, Frauen dort, unverheiratete wieder an anderer Stelle", erklärte die Küsterin, die humorvoll und lebendig aus der Vergangenheit berichtete. Der unlängst restaurierte, kunstvoll gestaltete Kerzenleuchter erzählt wiederum eine ganz eigene Geschichte. Er ist das Geschenk eines ehemaligen, nach Amerika ausgewanderten und dort zu Reichtum gelangten Vielbrunners. Er vergaß seine Heimat nicht und stiftete aus Dankbarkeit diesen Leuchter. Bereits seit 1591 gibt es eine Kirchturmuhr, und im Turm hängen drei Glocken. Kunstvolle Buntglasfenster in dem Gotteshaus gingen hingegen kurz vor Kriegsende durch die Druckwelle eines Bombenabwurfs in der Nähe zu Bruch und wurden nicht mehr ersetzt.

Regina Stellwag organisiert diese Ausflüge. Als Prädikantin ist sie auch mit der ehrenamtlichen Verkündigung beauftragt. Bei dem Seniorenausflug nach Vielbrunn gestaltete sie eine Andacht, in der sie auch auf die anstehenden Veränderungen - Bildung einer Gesamtkirchengemeinde und stärkeres Zusammenwachsen in der Nachbarschaft - einging: "Haben Sie keine Angst vor Veränderung und vor neuem Wind", ermutigte sie und erinnerte daran, dass Jesus das Wirken des Heiligen Geistes mit dem Wind verglich. An anderer Stelle verdeutlicht in der Bibel ein Säuseln die Gegenwart Gottes. "Man kann Gott erfahren im Wind", so die Prädikantin.

Für die Kirchengemeinde hießen die Kirchenvorstands-Mitglieder Andrea Schnellbacher (stellvertretende Vorsitzende) und Ingrid Vollmar die Gäste willkommen. Die Orgel spielte die Vielbrunnerin Gabriele Stief.
Kaffee und Kuchen gab es nach dem Kirchenbesuch im benachbarten Gemeindehaus. - Als weitere Ziele bei den Seniorenausflügen noch folgen sollen die Kirchen in Michelstadt und Steinbach.

 

Bernhard Bergmann
21.7.2026


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