Evangelisches Dekanat Odenwald

Zu Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern 2026

Über Brücken

Würde im Odenwald ein Wort des Jahres gekürt werden, so hätte für 2025 die 'Brücke' gute Chancen. Seit ziemlich genau einem Jahr ist eine Brücke - die 'Zeller Brücke' der B45 zwischen Bad König und Michelstadt - das Thema; vor allem die Tatsache, dass sie von jetzt auf gleich nicht mehr zur Verfügung stand und dann weg war und so ein Hauptverkehrsweg zerschnitten war, mit allem, was das bedeutet.
Brücken ermöglichen direkte Wege, verhindern Umwege (die jetzt spürbar werden, weil alle sie fahren müssen). Diese Bauwerke über-brücken Flüsse, unwegsames Gelände, Täler, Schluchten, aber auch Biotope. - (Und ja, sogar Zahnlücken.)

So viele Brücken
Brücken verbinden; Fahrstraßen, Wanderwege. Es gab sogar eine Luftbrücke, welche die Berliner mit Lebensmitteln versorgte. Eine Seebrücke wiederum endet zwar irgendwo draußen, man geht sie nicht weiter, sondern auf demselben Weg wieder zurück. Und doch trägt sie ihren Namen nicht zu Unrecht, verbindet auch sie: das Festland nämlich mit einem Ort draußen, auf dem Wasser, einer Anlegestelle oder einem Aussichtspunkt. Für Tiere und Pflanzen wiederum gibt es sogenannte Grünbrücken, welche, genau umgekehrt, nicht die Straßenabschnitte, sondern vielmehr einen Lebensraum verbinden, der durch eine Autostraße oder eine Bahntrasse zerschnitten worden ist. Und Brückentage verbinden Feiertage mit dem Wochenende.

Doch Brücken sind noch mehr, das Wort steht auch symbolisch für Verbindung: Man kann Wartezeiten, Schwierigkeiten und Gegensätze überbrücken, es gibt die Brücke von Mensch zu Mensch. Ich denke da zum Beispiel ganz konkret an gereichte Hände. Die Arme sehen aus wie eine umgekehrte Bogenbrücke. Ein vertrauensvolles Gespräch überbrückt die Fremdheit; ein einziges gutes Wort die Sprachlosigkeit. Sogar einander als Mitmenschen anzusehen, schafft eine Brücke: Die Augen des Gegenübers sind das Widerlager, um im Jargon von Brückenarchitekten zu reden.
Das sind die Brücken, die gerade in unseren Tagen so fehlen. Viele bestehende Brücken solcherart sind in jüngster Zeit gekappt, abgerissen worden, mit großer Gewalt und verbaler Sprengkraft, mit einander abgewendeten Gesichtern und stattdessen zugekehrten Rücken. Und kein Ende dieser Zerstörung ist abzusehen.

Jesus, der Brückenbauer
Mir fiel die Brücke ein, als ich nun nachdachte über die Karwoche und das bevorstehende Osterfest, über das, was Jesus Christus für uns, von Ostern her gesehen, ist.

Jesus war vieles. So war er selbst ein großer Brückenbauer: zu Zöllnern und Sündern zum Beispiel, wie etwa zum verachteten Zachäus oder zu einer bedrohten Ehebrecherin. Er hat aber auch großartige Baupläne hinterlassen, einfach und schwierig zugleich: "Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst." Und, weitergeführt: Du sollst helfen, wenn Du kannst, wer auch immer es sei, der Deine Hilfe benötigt - so handelte der Samariter und wandte sich einem Menschen zu, dem sonst keiner hatte helfen wollen. - "Geh hin und tue desgleichen."
Jesus, der Brückenbauer. Am Ende seines kurzen Lebens dann auch der, der selbst ging, gehen musste: Uns voraus ging er über die Brücke in den Tod, die man für ihn errichtet hatte. Aber dort endete der Weg nicht, das war nur eine ganz kurze Zwischenstation. Gott ließ ihn nicht im Land des Todes, sondern rief ihn heraus. So wurde Christus für die, die ihm nachfolgen, selbst zur Brücke. Zur Brücke ins Leben.

 

Bernhard Bergmann
2.4.2026


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