Evangelisches Dekanat Odenwald

Innenrenovierung Kirche Höchst

Mehr als ein paar Schönheitsoperationen

Höchst. Zunächst sollten es ja nur ein paar "Schönheitsoperationen" im Inneren des Gotteshauses werden, erklärt Jürgen Paul, der Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Kirchengemeinde Höchst; vor allem neue Farbe. Große Baumaßnahmen hatte es vor ein paar Jahren am Turm, im Dachstuhl und an der Außenfassade gegeben. Aber nun ist doch noch einiges mehr geplant, immerhin hatte die letzte umfassende Sanierung im Gebäudeinneren bereits 1968 stattgefunden. "Die Elektrik entspricht dem damaligen Stand", sagt Jürgen Paul; heute gibt es vor allem in punkto Sicherheit deutlich höhere Standards. Also steht die Erneuerung der Elektroinstallation ganz oben auf der Liste. Aber auch die Heizung wird künftig eine andere sein. Bisher bekommt die Kirche warme Luft von der Gasheizung im Kloster, dessen baulicher Bestandteil das Gebäude ist. Mit einer Elektroheizung unter den Sitzbänken kann man es in Zukunft für die Gäste sehr viel gezielter angenehm temperieren. Modernisiert werden auch die Akustik und die Beleuchtung des Kirchenraums, welche digitalisiert wird. Ein verbessertes Belüftungssystem soll Schimmel vorbeugen. Und auch Putz und Anstrich werden erneuert.

Restauratorin Natalie Schaack (Seligenstadt) hat in der Kirche "sechs verschiedene Farbfassungen ausgemacht, an Wänden und an den Kunstobjekten", informiert Paul. So stamme etwa die Wandfassung aus der Bauzeit der Kirche Ende der 1560er Jahre. Kanzel und Orgelprospekt hingegen sind in deren jeweiliger Einbauzeit farblich anders angelegt. Die für die Sanierungsmaßnahmen verantwortliche Architektin Gesine Stöcker (Michelstadt) hatte nun drei verschiedene mögliche Fassungen entworfen, von denen sich der Kirchenvorstand für eine relativ "schlichte" Variante entschieden hat, wie Jürgen Paul sie nennt. So fallen künftig die Ummalungen der Fenster weg, ebenso die im oberen Bereich aufgemalten 'Zinnen' und das Scheinmaßwerk; die Wand soll dann in Weiß mit einem Sandsteinton erscheinen.

Verschwinden werden außerdem die Bänke unter der Orgelempore; dort wird eine Art Lagerraum entstehen. "Und die Stufe um den Altar wird auch entfernt", erklärt Jürgen Paul. Das werde für mehr Sicherheit und Barrierefreiheit sorgen und der Raum sei dann besser nutzbar.
Und nicht zuletzt werden auch die Fenster ausgetauscht, wobei das insofern etwas komplizierter ist, weil hier auch Asbest mit verbaut worden war.

Begonnen haben die Arbeiten vor wenigen Wochen. Zunächst wurden die Bänke ausgebaut und werden in einer Scheune im Ort zwischengelagert. Sicher ist, dass die Kirche in diesem Jahr nicht zur Verfügung steht, die Konfirmation wird in diesem Jahr in Sandbach stattfinden, die Höchster sind dankbar für die Gastfreundschaft, welche die Nachbarn unter dem Breuberg ihnen gewähren. "Anberaumt für die Bauarbeiten ist ein Jahr", so Paul, "schön wäre natürlich, wenn wir Weihnachten schon wieder in unserer Kirche feiern könnten".
Gut 1,2 Millionen Euro sind für die Arbeiten anberaumt. Normalerweise trägt die Landeskirche 65 Prozent davon, wegen der Heizungserneuerung, die gefördert wird, sind es 80 Prozent, was die Kirchengemeinde angesichts solcher Beträge natürlich freut. 20 Prozent muss sie selbst übernehmen, wofür sie auch auf Spenden angewiesen ist.
Zumal eine Orgelsanierung dann auch noch folgen soll, die in diesen Kosten nicht enthalten ist. Zum einen ist das ohnehin mal wieder fällig, zum anderen wäre eine Reinigung der 'Königin der Instrumente' nach den Arbeiten auf jeden Fall nötig.

Für den engagierten Kirchenvorstandsvorsitzenden ist es "schon eine ganze Menge, was da zusammenkommt". Denn neben der Renovierung des Gotteshauses wird voraussichtlich im Frühjahr das ebenfalls auf dem Kirchberg gelegene Otto-Koch-Haus, also das Gemeindehaus, abgegeben. Die Kommune übernimmt es, sie wird darin einen Kindergarten einrichten. Außerdem ist da die Neustrukturierung der Landeskirche, was bedeutet, dass Höchst künftig Bestandteil des Nachbarschaftsraums Nord im Dekanat Odenwald sein wird. Das gemeinsame Gemeindebüro hat zu Jahresanfang seinen Sitz im Höchster Pfarrhaus neben der Kirche bezogen. Auch wenn die Übergänge in die neuen Strukturen bislang "ganz wunderbar" klappen, wie Paul sich freut, gibt es eben doch allenthalben eine ganze Menge zu planen, zu bedenken, zu besprechen und zu regeln. Gut, dass er als noch relativ neuer Ruheständler die Hände freier hat als zuvor: Verantwortung zu tragen haben sie allemal.

Zur Geschichte der evangelischen Kirche in Höchst
Gebaut wurde das Gotteshaus von 1566 bis 1568 (Jahreszahl außen über der Tür zum Stillen Hof des Klosters) anstelle einer baufällig gewordenen Vorgängerkirche. Es ist damit gewiss eines der ersten Kirchengebäude in Hessen, das als evangelische Kirche erbaut wurde. Der Turm stammt aus dem späten 12. Jahrhundert.

 

Bernhard Bergmann
19.2.2026


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